Der Wechsel der privaten Krankenversicherung

Seit dem 1. Janu­ar 2009 besteht in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die All­ge­mei­ne Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht gemäß § 193 III VVG. Wer sich als Beam­ter, Selb­stän­di­ger oder Frei­be­ruf­ler für eine pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung ent­schei­den muss­te oder als Arbeit­neh­mer mit einem monat­li­chen Brut­to­ein­kom­men ober­halb der Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze sich frei­wil­lig für eine pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung enschie­den hat, dürf­te sich über die stei­gen­den Bei­trä­ge in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit sicher­lich geär­gert haben. Nied­ri­ge Zin­sen, die sich auf die Alters­rück­stel­lun­gen aus­wir­ken, wer­den den pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen kaum eine ande­re Wahl las­sen, als 2014 die Bei­trä­ge zu erhö­hen. Folg­lich wird schon so manch ein Ver­si­cher­ter mehr als einen Gedan­ken dar­auf ver­schwen­det haben, ob und wie er sei­ne pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung wech­seln kann.

Natür­lich ist ein Wech­sel der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung mög­lich – unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen. Ein Pro­blem stel­len die Alters­rück­stel­lun­gen dar, die in jedem pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­ver­trag mit einem Teil des Bei­trags gebil­det wer­den. Dabei wer­den in jun­gen (und gesun­den) Jah­ren Rück­la­gen fürs Alter ange­spart. Man zahlt in Zei­ten, in denen man kei­ne auf­wän­di­ge Kran­ken­vor­sor­ge benö­tigt, etwas mehr, um im Alter, wenn diver­se Lei­den und Krank­hei­ten wahr­schein­li­cher sind, die dadurch ent­ste­hen­den höhe­ren Kos­ten abfan­gen zu kön­nen. Die­se Alters­rück­stel­lun­gen konn­ten bis zur Gesund­heits­re­form bei einem Wech­sel der Ver­si­che­rung nicht mit­ge­nom­men wer­den. Man hat also bei einem neu­en Ver­trag kei­ner­lei schon ange­spar­te Rück­la­gen, son­dern fängt bei 0 wie­der an. 

Mit Inkraft­tre­ten der im Juli 2006 beschlos­se­nen Gesund­heits­re­form ist in begrenz­tem Rah­men die Por­ta­bi­li­tät – die Über­tra­gung von Rech­ten, die Ver­si­cher­te bei einem Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men erwor­ben haben, auf ein ande­res Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men oder einen Tarif beim sel­ben Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men – nicht mehr unmög­lich. Bei einem Wech­sel des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens wird die Mit­nah­me eines Teils der Alters­rück­stel­lun­gen unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen in § 12 VAG gere­gelt. Nach § 12 Abs. 1 Nr. 5 VAG wer­den die Alters­rück­stel­lun­gen in der Höhe des Wer­tes mit­ge­ge­ben, die den Leis­tun­gen im Basis­ta­rif ent­spre­chen. Aller­dings gilt das nur für Ver­trä­ge die ab dem 1. Janu­ar 2009 abge­schlos­sen wor­den sind. Die­se Ein­füh­rung einer teil­wei­sen Por­ta­bi­li­tät der Alte­rungs­rück­stel­lung ist geeig­net, die Wech­sel­mög­lich­kei­ten der Ver­si­che­rungs­neh­mer und damit den Wett­be­werb zwi­schen den Unter­neh­men zu ver­bes­sern, so hat sogar das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die­se Reform beur­teilt1 . Die bei einem Wech­sel des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens noch ver­blei­ben­den Alters­rück­stel­lun­gen kön­nen vom Ver­si­che­rungs­neh­mer z.B. für Zusatz­ver­si­che­run­gen bei sei­nem bis­he­ri­gen Ver­si­che­rer genutzt wer­den (§ 204 Abs. 1 Satz 2 VVG).

Soll nicht das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men son­dern nur der Tarif gewech­selt wer­den, ist eine Über­tra­gung der Alters­rück­stel­lun­gen eben­falls mög­lich. Eine Über­tra­gung in einen leis­tungs­glei­chen Tarif ist nach § 204 Abs. 1 Nr. 1 VVG voll­um­fäng­lich mög­lich. Der Wech­sel in einen umfas­sen­de­ren Tarif oer in den Basis­ta­rif ist nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen mög­lich gemäß § 204 Abs.Abs. 1 Nr. 1 VVG.

In jedem Fall soll­te ein Wech­sel gut über­legt sein. Die ver­schie­de­nen Kran­ken­ver­si­che­rungs­ta­ri­fe ent­hal­ten eine gro­ße Preis­span­ne, so dass sich eine pro­fes­sio­nel­le Hil­fe, die spe­zi­ell auf die Bedürf­nis­se des Ein­zel­nen ein­geht, durch­aus sinn­voll. Dafür gibt es auch im Inter­net gute Por­ta­le, die einen Ver­gleich meh­re­rer Anbie­ter ermög­li­chen. Mit die­ser Unter­stüt­zung las­sen sich Bei­trags­zah­lun­gen und ange­bo­te­ne Leis­tun­gen in den ver­schie­de­nen Tari­fen ein­fach durch­rech­nen und ver­glei­chen, damit die indi­vi­du­ell güns­tigs­te Kran­ken­ver­si­che­rung schnell gefun­den ist. 

  1. BVerfG, Urteil vom 10. Juni 2009 ‑1 BvR 706/​08, 1 BvR 814/​08, 1 BvR 819/​08, 1 BvR 832/​08, 1 BvR 837/​08[]