Lebensversicherung – Fondsgebundene Lebensversicherung

Eine spezielle Form der Kapitallebensversicherung ist die fondsgebundene Lebensversicherung. Dabei werden die angesparten Beitragsanteile in Investmentfonds angelegt. Sie werden von der Versicherung als Sondervermögen verwaltet. Bei Vertragsende wird der Gegenwert dieser Fondsanteile gutgeschrieben und ausgezahlt. Entscheidet sich der Versicherte für eine solche Versicherung, geht er ein Risiko ein, denn durch die Börsenkurse ist seine zu erwartende Leistungsauszahlung Schwankungen ausgesetzt. Die Gewinne und Verluste machen es unmöglich, die Kapitalsumme bei Vertragsende einzuschätzen.

Bei der fondsgebundenen Lebensversicherung ist also ein wesentlicher Teil des Leistungsanspruchs oder auch der gesamte Leistungsanspruch direkt an die Wertentwicklung von bestimmten Kapitalanlagefonds gebunden. Daneben wird auch die Bindung der Kapitalleistung an andere vertraglich vereinbarte Finanzinstrumente, wie etwa Indices, angeboten (indexgebundene Lebensversicherung)

Fondsanlagen[↑]

Durch diese Bindung der Kapitalleistung an die Wertentwicklung eines öffentlichen Kapitalanlagefonds ist die Höhe der Kapitalleistung nicht betragsmäßig festgelegt, sie hängt vielmehr von der Kapitalentwicklung dieses Fonds ab. Der Versicherer übernimmt also regelmäßig keine Verpflichtung, diese Leistung in einer absolut bestimmten Höhe zu erbringen. Danaben werden inzwischen aber auch einige fondsgebundene Lebensversicherungen angeboten, bei denen entweder der Versicherer zusätzlich eine bestimmte Mindestleistung zusagt oder aber die die Anlage in einen Garantiefond vorsehen.

Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung müssen das Versicherungsunternehmen die sich aus dem Lebensversicherung ergebenen Kapitalleistungspflichten vollständig mit den vereinbarten Finanzinstrumenten bedecken. Sie müssen Ihre Prämienzahlungen also in zwei rechnerische Teile aufspalten: Den Anteil für das abgesicherte Todesfallrisiko, das vom Versicherer abgedeckt wird, und den (größeren) Anteil für die angesparte Kapitalleistung, die in entsprechenden Fondsanteilen angelegt werden muss (bzw. mit denen bei indexgebundenen Lebensversicherungen der vereinbarte Index möglichst genau abgebildet werden muss). Diese Kapitalanlagen des Versicherungsunternehmens werden dabei auf Rechnung und Risiko des Versicherungsnehmers gehalten; Wertveränderungen und Erträge dieser Kapitalanlage stehen vollständig dem Versicherungsnehmer zu (bwz. sind im Verlustfall von ihm zulasten seines angesparten Kapitals zu tragen).

Im Vergleich zu einer herkömmlichen kapitalbildenden Lebensversicherung ist eine fondsgebundene Lebensversicherung in ihrer Ablaufleistung nicht sicher vorherbestimmbar, da die Wertentwicklung von der des gewählten Anlagefonds abhängt und nicht vom Versicherer garantiert wird. Dies ist insbesondere dann zu beachten, wenn die Lebensversicherung für die Altersvorsorge gedacht ist. Allerdings kann die Rendite insbesondere bei langen Laufzeiten deutlich besser (aber auch wesentlich schlechter) als bei herkömmlichen Kapitallebensversicherungen sein,

Damit eignet sich eine fondsgebundene Lebensversicherung weniger als Grundabsicherung für das Alter oder zur Tilgung einer langfristigen Darlehnsverbindlichkeit etwa aus einem Grundstückskauf oder einem Unternehmenskauf. Bei bestehender Grundversorgung für das Alter ist eine fondsgebundene Lebensversicherung dagegen eine durchaus bedenkenswerte Alternative für eine Zusatzversorgung.

Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung kann der Versicherungsnehmer regelmäßig selbst Einfluss auf die Anlagestrategie seines Vertrages nehmen, etwa indem er in einem vorgegebenen Rahmen die mit dem Vertrag verbundenen Investmentfonds selbst auswählen und bei vielen Verträgen auch während der Laufzeit des Vertrages zwischen verschiedenen Fonds umschichten kann, entweder in der Form, dass das bereits angesparte Fondsguthaben ganz oder teilweise in andere Fonds übertragen wird („Shifting“), oder dadurch, dass zukünftige Prämienzahlungen des Versicherungsnehmers zukünftig in einen anderen Anlagefonds fließen („Switching“).

Ein solcher Shift bietet sich je nach Verfassung des Kapitalmarktes etwa in den letzten Jahren vor dem Ablauf an, um durch eine Umschichtung etwa von Aktienfonds in Rentenfonds dem Risiko eines Einbruchs am Aktienmarkt zu entgehen, dessen Wertverlust in der verbleibenden Vertragslaufzeit wahrscheinlich nicht wieder aufzuholen wäre.

Todesfallleistung[↑]

Abweichungen zu einer herkömmlichen Kapitallebensversicherung finden sich für fondsgebundene Lebensversicherungen auch bei der garantierten Todesfallsumme. Die vertraglich zugesicherte Versicherungssumme im Todesfall begrenzt sich bei der fondsgebundenen Lebensversicherung oftmals auf die Beitragssumme, also die Summe der gezahlten Versicherungsbeiträge. Wenn Sie (etwa zur Absicherung von Angehörigen) einen höheren Todesfallschutz benötigen oder wünschen, kann dies regelmäßig vereinbart werden. Bei vielen fondsgebundenen Lebensversicherugnen ist auch eine nachträgliche Erhöhung des Todesfallschutzes möglich.

Überschussbeteiligung[↑]

Auch bei fondsgebundene Versicherungen besteht sich in Deutschland eine Überschussbeteiligung. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die mit den Kapitalanlagen erzielten Kapitalerträge sowie vollständig an die Versicherungsnehmer fließen, so dass sich die Überschussbeteiligung regelmäßig auf eine Beteiligung an den Risiko- und Kostenüberschüssen beschränkt, so dass diese Überschussanteile in einem wesentlich geringeren Umfang anfallen als bei einer „normalen“ Kapitallebensversicherung. Die Überschußanteile werden je nach der im Versicherumgsvertrag getroffenen Vereinbarung entweder auch auch in Fondsanteile investiert oder aber verzinsliche angesammelt.

Hybridprodukte[↑]

Teilweise finden sich auch vertragliche Gestaltungen, bei denen eine „normale“ Kapitallebensversicherung abgeschlossen wird, während die dort erzielte Überschussbeteiligung in öffentliche Anlageanlagefonds (etwa in Aktienfonds) angelegt wird. Damit erzielt man eine garantierte Versicherungssumme sowohl für den Todesfall wie auch für den Erlebensfall und partizipiert – wenn auch in einem kleineren Umfang – an den Wachstumschancen (und -risiken) des Kapitalmarkts.

Verlängerungsoption[↑]

Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen gibt es eine Reihe verschiedener Gestaltungsmöglichkeiten. Die gebräuchlichste dabei ist wohl die Verlängerungsoption. Hierbei kann der Versicherungsnehmer die Laufzeit des Versicherungsvertrages um meist fünf Jahre verlängern. Da das vertragliche Ende des Versicherungsvertrages regelmäßig auch bedeutet, dass die Fondsanteile veräußert und an den Versicherungsnehmer ausgezahlt werden, ist diese Option sinnvoll, um das bei einem festen Vertragsende bestehende Risiko zu vermeiden, dass die Fondsanteile unter Umständen zu einem Zeitpunkt verkauft werden müssen, zu dem sich der Wert der Anteile aufgrund der immer wieder auftretenden Schwankungen am Kapitalmarkt „im Keller“ befindet. Aufgrund der Verlängerungsoption können Sie in diesem Fall noch abwarten, bis die Anteile wieder mehr sind – zumindest dann, wenn Sie in der Zwischenzeit nicht auf das Geld angewiesen sind.

Ablaufmanagement[↑]

Die Versicherungsunternehmen bieten oftmals auch eine vertragliche shifting-Vereinbarung an, wonach der Versicherer zu einem bestimmten Zeitpunkt, meist fünf Jahre vor Vertragsschluss, das angesammelte Fondsguthaben in Rentenfonds oder Geldmarktfonds transferiert, die einem niedrigerem Schwankungsrisiko (als etwa die bis dahin genutzen gemischten Fonds oder Aktienfonds) ausgesetzt sind.

Damit soll das Risiko minimiert werden, dass aufgrund eines Kapitalmarkteinbruchs kurz vor Vertragsende ein Wertverlust eintritt, der in der restlichen Laufzeit nicht mehr aufgeholt werden kann.

Je nach vertraglicher Gestaltung erfolgt dieser Shift entweder automatisch oder aber – was empfehlenswerter ist – das Versicherungsunternehmer bietet Ihnen einen solchen Shift an und überlässt die Entscheidung hierüber Ihnen.

Viele Versicherungsunternehmen bieten auch fondsgebundene Lebensversicherung mit einer dynamischen Kapitalanlagestrategie an. Hierbei wird die ersten Jahre, solange der Ablauftermin der Versicherung also weit entfernt ist, in eine risikoreichere Fondsanlage investiert, bei der auch die Ertragschancen höher liegen, während in den letzten Jahren vor dem Ablauftermin der Versicherung die Kapitalanlage in risikoärmere Fonds (regelmäßig Rentenfonds und Geldmarktfonds) umgeschichtet wird.

Naturalleistung[↑]

Der Versicherungsvertrag kann auch eine Übertragungsoption vorsehen, so dass der Versicherungsnehmer berechtigt ist, sich die angesparten Fondsanteile nach Vertragsablauf in ein eigenes Depot übertragen lassen kann.

Variables Kapital in der fondsgebundenen Lebensversicherung[↑]

Einige fondsgebundene Lebensversicherungsverträge sehen auch die Möglichkeit eines Teilrückkaufs vor. bei dieser Abrufoption können Sie sich also auch während der Laufzeit des Versicherungsvertrages bestimmte Teilbeträge aus dem vorhandenen Fondsguthaben oder sogar das gesamte Fondsguthaben auszahlen lassen.

Fondsgebundene Lebensversicherungen können auch mit einer Sonderzahlungsoption versehen werden. Hierbei sind Sie als Versicherungsnehmer dann berechtigt, ihr investiertes Kapital durch Sonderzahlungen in den bestehenden Versicherungsvertrag zu erhöhen. Diese Zuzahlungen werden ebenfalls in den vereinbarten Fonds angelegt.

Insgesamt gilt: Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung erfolgt die Verwaltung regelmäßig rein auf Kontenbasis. Dadurch können fondsgebundene Versicherungen regelmäßig auch flexibler und transparenter ausgestaltet werden als konventionelle kapitalbildende Lebensversicherungen. Allerdings sollen Sie beachten, dass jede vereinbarte Möglichkeit der Flexibilisierung ihres Versicherungsvertrages auch die Kosten der Verwaltung dieser Versicherung und damit auch den nicht zur Anlage zur Verfügung stehenden Kostenanteil ihrer Versicherungsprämie erhöht und damit ihre Rendite schmälern kann.

Risiken[↑]

Anders als bei herkömmlichen Kapitallebensversicherugnen besteht bei fondsgebundenen Lebensversicherungen keine garantierte Versicherungssumme. Auch die Erfolgsaussichten von der zur Anlage ausgewählten Fonds sind oftmals nur schwer vorherzusehen.
Die Anlage in Fonds unterliegt im vollem Umfang dem Kursrisiko der Investmentfonds, eine Absicherung durch einen Garantiezins wie etwa bei einer herkömmlichen Kapitallebensversicherung gibt es für die fondsgebundene Lebensversicherung nicht. Andererseits bietet die Fondsbindung in vielen Fällen aber auch größere Ertragschancen.

Dieses Kursrisiko kann in einem gewissen Umfang gesteuert werden, etwa durch Anlage in risikoämerre Rentenfonds und Geldmarktfonds oder aber durch Anlage in ertragsreichere, aber damit auch risikoreichere Aktienfonds.

Steuerliche Behandlung[↑]

Anders als bei den konventionellen Kapitallebensversicherungsverträgen waren ursprünglich die Beiträge für fondsgebundene Lebensversicherungen oftmals nicht als Vorsorgeaufwendungen bei der Einkommensteuer absetzbar. Dies hat sich freilich mit der Reform der Rentenbesteuerung geändert. Inzwischen sind auch fondsgebundene Lebensversicherungen im Rahmen des Sonderausgabenabzuges bedingt steuerlich gefördert, sofern sie als Riester-Renten und Rürup-Renten vereinbart werden.

Die Todesfallleistung ist auch bei der fondsgebundenen Lebensversicherung regelmäßig steuerfrei. Wird die Versicherungsleistung nach Vollendung des 60. Lebensjahres und frühestens nach zwölf Jahren ausgezahlt, ist die Hälfte der Erträge steuerfrei, sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, müssen die Erträge komplett versteuert werden. Der Ertrag ist die Differenz zwischen der Summe der Beiträge und der auszuzahlenden Versicherungsleistung.