Gebäudeeigentum in der Feuerversicherung

§ 2 Nr. 1 a AFB 87 stellt bei Gebäu­den nicht auf das Eigen­tum des Ver­si­che­rungs­neh­mers ab.

Nach die­ser Bestim­mung sind die in dem Ver­si­che­rungs­ver­trag bezeich­ne­ten Gebäu­de und sons­ti­gen Grund­stücks­be­stand­tei­le ver­si­chert. Ob die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin zur Zeit des Bran­des bereits Eigen­tum erwor­ben hat­te, ist uner­heb­lich. Mit dem Gebäu­de­ver­si­che­rungs­ver­trag ist das Inter­es­se an der Erhal­tung der Sach­sub­stanz des Gebäu­des und sei­ner Bestand­tei­le ver­si­chert. Die­ses Sach­er­hal­tungs­in­ter­es­se konn­te das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ver­si­chern, ohne dass es auf die Eigen­tums­ver­hält­nis­se ankam.

§ 2 Nr. 1 a AFB 87 stellt bei Gebäu­den nicht auf das Eigen­tum des Ver­si­che­rungs­neh­mers ab1. So ver­steht bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung, auf­merk­sa­mer Durch­sicht und Berück­sich­ti­gung des erkenn­ba­ren Sinn­zu­sam­men­hangs ein durch­schnitt­li­cher Ver­si­che­rungs­neh­mer einer Gebäu­de­feu­er­ver­si­che­rung die Klau­sel2.

Für ihn ergibt sich bereits aus dem Wort­laut des § 2 Nr. 1 a AFB 87 nicht, dass es bei der Feu­er­ver­si­che­rung dar­auf ankommt, ob das ver­si­cher­te Gebäu­de im Eigen­tum des Ver­si­che­rungs­neh­mers steht oder Fremd­ei­gen­tum ist. Auch aus § 2 Nr. 2 AFB 87 ver­mag er nicht zu erse­hen, dass das Eigen­tum an dem ver­si­cher­ten Gebäu­de von Bedeu­tung sein soll. Dort wird die Ver­si­che­rung von Gebäu­den dahin­ge­hend kon­kre­ti­siert, dass sie mit ihren Bestand­tei­len, aber ohne Zube­hör ver­si­chert sind, soweit nicht etwas ande­res ver­ein­bart ist. Dass nur dem Ver­si­che­rungs­neh­mer gehö­ren­de Gebäu­de ver­si­chert sein kön­nen, lässt sich dar­aus nicht erschließen.

Eine abwei­chen­de Rege­lung ent­nimmt der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer dage­gen aus § 2 Nr. 3 AFB 87 für beweg­li­che Sachen. Die­se sind nur ver­si­chert, soweit der Ver­si­che­rungs­neh­mer (a) Eigen­tü­mer ist, (b) sie unter Eigen­tums­vor­be­halt erwor­ben hat oder © sie siche­rungs­hal­ber über­eig­net hat und dem Erwer­ber kein Ent­schä­di­gungs­an­spruch zusteht. Die­se Bestim­mung fin­det auf das im hier ent­schie­de­nen Streit­fall als Gebäu­de ver­si­cher­te Park­haus kei­ne Anwen­dung. Dar­über hin­aus ist gemäß § 2 Nr. 4 AFB 87 frem­des Eigen­tum ver­si­chert, soweit es sei­ner Art nach zu den ver­si­cher­ten Sachen gehört und dem Ver­si­che­rungs­neh­mer zur Bear­bei­tung, Benut­zung oder Ver­wah­rung oder zum Ver­kauf in Obhut gege­ben wur­de und soweit nicht der Ver­si­che­rungs­neh­mer nach­weis­lich, ins­be­son­de­re mit dem Eigen­tü­mer, ver­ein­bart hat, dass die frem­den Sachen durch den Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht ver­si­chert zu wer­den brau­chen. Die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen unbe­weg­li­chen und beweg­li­chen Sachen kann der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer gut nach­voll­zie­hen. Dar­aus, dass § 2 Nr. 1 AFB 87 bei Gebäu­den anders als bei beweg­li­chen Sachen nicht auf das Eigen­tum abstellt, wird er fol­gern, dass auch im Fremd­ei­gen­tum ste­hen­de Gebäu­de ver­si­cher­bar sind.

Bei der Gebäu­de­ver­si­che­rung ist aner­kannt, dass neben dem Eigen­tü­mer auch ande­re Per­so­nen ein berech­tig­tes Inter­es­se an der Sach­ver­si­che­rung haben wie Mie­ter, Päch­ter, Käu­fer und sons­ti­ge Drit­te, denen eine eige­ne Gefahr­ver­wal­tung über­tra­gen wor­den ist3. In der im eige­nen Namen geschlos­se­nen Ver­si­che­rung liegt dann zugleich eine Fremd­ver­si­che­rung4. Ein sol­cher Ver­si­che­rungs­ab­schluss ist kei­nes­wegs unge­wöhn­lich und wird von den Ver­si­che­rern wegen des regel­mä­ßig gege­be­nen wirt­schaft­li­chen Bedürf­nis­ses als sach­ge­recht akzep­tiert5. Die­se Inter­es­sen­la­ge ist abs­trakt ohne Berück­sich­ti­gung des Gefahr­über­gangs im Ein­zel­nen zu betrach­ten. Sie besteht erkenn­bar auch, wenn Ver­si­che­rungs­neh­mer wie im hier ent­schie­de­nen Fall für ein im Bau befind­li­ches ver­si­cher­tes Gebäu­de Tei­le unter Eigen­tums­vor­be­halt lie­fern und ein­bau­en lassen.

Es kommt daher nicht dar­auf an, ob und inwie­weit die nicht fer­tig­ge­stell­te Par­kebe­ne noch im Vor­be­halts­ei­gen­tum der V. Park­haus stand oder die­se das Eigen­tum an den unter Eigen­tums­vor­be­halt gelie­fer­ten Bau­stof­fen dadurch ver­lo­ren hat­te, dass sie zur Her­stel­lung des Gebäu­des ein­ge­fügt wor­den und des­sen wesent­li­che Bestand­tei­le i.S. des § 94 Abs. 2 BGB gewor­den waren. Eben­so kann dahin­ste­hen, ob das Park­haus gemäß § 94 Abs. 2 BGB wesent­li­cher Bestand­teil des im Eigen­tum der B. Flug­ha­fen­ge­sell­schaft mbH ste­hen­den Grund­stücks wur­de oder Schein­be­stand­teil i.S. des § 95 Abs. 1 BGB war. In jedem Fall konn­te die Q. als Bau­her­rin ihr Inter­es­se an der Erhal­tung der Sach­sub­stanz versichern.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Janu­ar 2012 – IV ZR 140/​09

  1. Johannsen/​Johannsen in Bruck/​Möller aaO Anm. H 88 S. 612; Johannsen/​Johannsen in Mün­che­ner Anwalts­hand­buch Ver­si­che­rungs­recht aaO Rn. 123; Mar­tin, Sach­ver­si­che­rungs­recht 3. Aufl. J III Rn. 4[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 23.06.1993 – IV ZR 135/​92, BGHZ 123, 83, 85 zur Aus­le­gung All­ge­mei­ner Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen[]
  3. Mar­tin aaO Rn. 4 f.; vgl. BGH, Urtei­le vom 18.10.2000 – IV ZR 100/​99, VersR 2001, 53 unter 2 a und b m.w.N.; vom 20.01.1988 – IVa ZR 165/​86, r+s 1988, 86, 87; BGH, Beschluss vom 29.04.2009 – IV ZR 201/​06, VersR 2009, 980 Rn. 6[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 18.09.1991 IV ZR 189/​90, VersR 1991, 1404 unter 2 a; Prölss in Prölss/​Martin, VVG 27. Aufl. § 80 Rn. 27; Römer in Römer/​Langheid, VVG 2. Aufl. § 74 Rn. 11[]
  5. Johannsen/​Johannsen in Bruck/​Möller aaO S. 613; Johannsen/​Johannsen in Mün­che­ner Anwalts­hand­buch Ver­si­che­rungs­recht aaO[]